OZ 18.05.2026 Seite 6 "Alarm mit einem Brandbrief an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) 

Bild der Bürgermeister

„So kann es nicht weitergehen! Wir gehen davon aus, dass wir unseren Haushalt spätestens 2029 nicht mehr ausgleichen können“, sagt Karl-Friedrich Peters, Bürgermeister der Gemeinde Mönchhagen bei Rostock. Er gehört neben seinen Amtskollegen Ralf Will (Bentwisch), Jörg Gensich (Rövershagen), Detlef Kröger (Blankenhagen) und Manfred Labitzke (Gelbensande) zu den fünf Unterzeichnern des Schreibens, das der OZ vorliegt. Auf sieben Seiten geht es um die sich verschärfende Finanzlage ihrer Gemeinden, die noch zu den wohlhabenden im Land zählen. „Unsere Haushaltslage verschlechtert sich zusehends von Jahr zu Jahr, wie auch bei den meisten Kommunen in Mecklenburg-Vorpommern“, heißt es in dem Brief. Man wolle auf die „finanziell prekäre Situation“ aufmerksam machen und fordert von der Ministerpräsidentin „Lösungsansätze“. Einem Teil der Gemeinden in MV gehe es wirtschaftlich noch gut, sagt Sascha Mummenhoff, Landesvorsitzender des Bundes der Steuerzahler in MV. „Vor dem Hintergrund der sinkenden Steuereinnahmen und des demografischen Wandels wird es aber auf Dauer immer schwieriger, die Pflichtaufgaben zu leisten.“ Es müsse etwas getan werden: „Wenn es so weitergeht, werden in der Zukunft die Ausgaben der Kommunen die Einnahmen übersteigen. Gerade die größeren Städte und Kreise haben schon heute ein Problem, die Pflichtaufgaben abzudecken.“ So musste in Rostock, der einzigen Großstadt des Landes, Ende vergangenen Jahres ein Millionenkredit aufgenommen werden, um Verwaltungsangestellten Gehälter und Weihnachtsgeld zahlen zu können. Den Bürgermeistern der fünf Rostocker Speckgürtel-Gemeinden geht es im Kern darum, dass die Finanzausstattung zukunftsfähig aufgestellt wird – um Infrastruktur und öffentliche Angebote für Bürger weiter gewährleisten zu können. Noch sind ihre Haushalte ausgeglichen – weil die Bürgermeister an die Rücklagen gehen, um Löcher zu stopfen. „Wir werden gezwungen, unsere Sparguthaben aufzubrauchen und dann nackig dazustehen. Das kann nicht sein!“, wettert Jörg Gensich aus Rövershagen. Er ist dort seit zwei Jahren Verwaltungschef und wie seine vier Kollegen Ehrenamtler. Für das diesjährige Investitionsvolumen von 2,2 Millionen Euro für Instandhaltungsmaßnahmen nimmt er 1,5 Millionen Euro aus der Rücklage. „Wir rutschen auch auf dem Bauchnabel und nehmen schon nötige Investitionen aus dem Haushalt heraus, um nicht ein noch größeres Defizit zu haben“, erklärt der Bentwischer Bürgermeister Ralf Will. Um das Problem nachhaltig zu lösen, appelliert er an Bund, Land und Kreis: „Leute, lasst die Finger von unnötigen Ausgaben!“ Von den Kommunen werde wirtschaftliches Denken verlangt, aber die Landesregierung selbst sei dazu nicht in der Lage, schimpft Jörg Gensich: „Bund und Land kommen ihren Aufgaben nicht nach und wir müssen darunter leiden. Das ist eine Sauerei!“ Weil immer mehr Kosten auf die Gemeinden abgewälzt würden, gebe es kaum noch finanziellen Spielraum, erklärt Gelbensandes Bürgermeister Manfred Labitzke. Noch vor ein paar Jahren hätte man sich nicht getraut, etwas aus den Rücklagen zu nehmen, um die Pflichtaufgaben zu erfüllen. „Wir fressen uns selbst auf – und es bleibt uns nichts anderes übrig.“ Sogar wenn man alle freiwilligen Aufgaben streichen würde, wäre man „immer noch im negativen Bereich“. Seite 6

18.05.2026